Die Lange Zählung
Kurz gesagt
- Die Lange Zählung zählt Tage seit einem festen Nullpunkt, nicht Jahre seit einem Ereignis.
- Ein Datum hat fünf Stellen, etwa 9.13.0.0.0.
- Der Nullpunkt liegt nach heutiger Umrechnung im Jahr 3114 v. Chr.
- Der 21. Dezember 2012 war ein Stellenübergang, kein vorhergesagtes Weltende.
Die Maya hatten mehrere Kalender nebeneinander. Der bekannteste ist die Lange Zählung, weil nur sie ein Datum eindeutig festlegt – ohne sie ließen sich Inschriften nicht in unsere Zeitrechnung übertragen.
Das Prinzip
Die Lange Zählung zählt schlicht Tage, fortlaufend seit einem festgesetzten Anfangspunkt. Sie funktioniert damit wie ein Kilometerzähler und nicht wie ein Kalender mit Monaten und Jahren.
Gezählt wird in fünf Stellen:
| Stelle | Name | Umfang | Tage |
|---|---|---|---|
| 1 | K’in | 1 Tag | 1 |
| 2 | Winal | 20 K’in | 20 |
| 3 | Tun | 18 Winal | 360 |
| 4 | K’atun | 20 Tun | 7.200 |
| 5 | B’ak’tun | 20 K’atun | 144.000 |
Geschrieben wird von der größten zur kleinsten Stelle, heute mit Punkten getrennt: 9.13.0.0.0 heißt neun B’ak’tun, dreizehn K’atun, null Tun, null Winal, null K’in.
Auffällig ist die dritte Stelle. Überall sonst wird mit zwanzig multipliziert, beim Tun aber nur mit achtzehn. Das ergibt 360 Tage – nah am Sonnenjahr. Die Abweichung ist also keine Unregelmäßigkeit, sondern eine Anpassung.
Wie die Zahlen geschrieben werden
Die Zahlen selbst stehen als Punkte und Balken vor dem jeweiligen Zeitraum-Zeichen: ein Punkt für eins, ein Balken für fünf, dazu ein Muschelzeichen für die Null. Drei Punkte über einem Balken sind also acht. Mehr dazu unter Punkt, Balken, Muschel.
Der Nullpunkt
Der Anfangspunkt 0.0.0.0.0 entspricht nach der heute gebräuchlichen Umrechnung einem Tag im August 3114 vor Christus. Zu dieser Zeit gab es keine Maya-Städte; der Nullpunkt ist ein mythisches, kein historisches Datum – der Beginn des laufenden Weltzeitalters.
Die Umrechnung in unseren Kalender beruht auf einer Korrelationskonstante, die aus kolonialzeitlichen Quellen und astronomischen Angaben gewonnen wurde. Die gängige Fassung gilt als gut abgesichert, um wenige Tage wird weiter diskutiert.
2012
Am 21. Dezember 2012 sprang die Zählung auf 13.0.0.0.0 – ein voller B’ak’tun-Übergang, vergleichbar einem Jahrtausendwechsel. In den Inschriften gibt es keine Aussage, dass damit die Welt endet. Im Gegenteil: Einzelne Texte nennen Daten, die weit darüber hinausreichen, also von einem Weiterlaufen ausgehen.
Die Weltuntergangserzählung ist eine moderne Zutat. Sie sagt nichts über die Maya und einiges über den Buchmarkt der 2000er Jahre.
Quellen
- Nikolai Grube (Hrsg.): Maya. Gottkönige im Regenwald.