Tempel III: der Tempel des Jaguarpriesters
Kurz gesagt
- Rund 55 Meter hoch, errichtet um 810 - der letzte große Tempelbau Tikals.
- Er ist bis heute nicht freigelegt: Auf den Terrassen wächst Wald.
- Der Name kommt von einem Türsturz mit einer Gestalt im Jaguarfell.
- Er liegt am Tozzer-Damm, auf halbem Weg vom Großen Platz zu Tempel IV.
Tempel III steht westlich des Großen Platzes, am Tozzer-Damm, den man ohnehin geht, wenn man zu Tempel IV will. Mit rund 55 Metern ist er der dritthöchste Bau der Stadt, und er ist der einzige der großen Tempel, den man noch so sieht, wie das gesamte Tikal vor den Ausgrabungen aussah.
Der letzte große Bau
Datiert wird Tempel III auf die Zeit um 810. Damit ist er das Schlusslicht einer Reihe: Zwischen Tempel I um 734 und ihm liegen keine hundert Jahre, danach kommt nichts Vergleichbares mehr. Die Inschriften brechen in den Jahrzehnten darauf ab, die Bautätigkeit endet, die Stadt leert sich (siehe Das Ende Tikals).
Man kann den Bau deshalb in zwei Richtungen lesen. Als Beleg dafür, dass Tikal um 810 noch in der Lage war, eine 55 Meter hohe Pyramide zu errichten - das ist keine Leistung einer zusammenbrechenden Stadt. Und als letzten Kraftakt einer Herrschaft, die kurz darauf nicht mehr da war.
Der Jaguarpriester
„Templo del Gran Sacerdote Jaguar“ ist eine moderne Bezeichnung und geht auf den geschnitzten Türsturz im Tempelaufbau zurück. Er zeigt eine auffällig korpulente Gestalt in einem Jaguarfell, flankiert von zwei kleineren Figuren.
Wen genau die Darstellung meint, ist offen. Häufig wird sie mit dem Herrscher in Verbindung gebracht, der um 810 regierte und in der Forschung als „Dark Sun“ geführt wird, weil sein Name in den Inschriften nur unvollständig überliefert ist. Ein Priester im kirchlichen Sinn war die Figur jedenfalls nicht: Das Jaguarfell ist in der Maya-Kunst ein Herrschaftszeichen, kein Amtsgewand. Zum Tier selbst siehe Jaguar und Raubkatzen.
Warum er anders aussieht
Tempel I, II, IV und V sind zumindest an der Vorderseite freigelegt und stabilisiert. Tempel III ist es nicht. Freigeräumt wurde nur der Tempelaufbau ganz oben, der Unterbau steckt weiter im Wald: Erde, Wurzeln, Bäume auf den Terrassen, dazwischen der Kalkstein.
Das ist kein Versäumnis, sondern eine Entscheidung. Eine Freilegung nimmt dem Bauwerk den Schutz, den die Vegetation ihm gibt, und macht anschließend eine dauerhafte, teure Sicherung nötig. Solange die nicht finanziert ist, bleibt der Wald stehen.
Für den Besucher ist das ein Glücksfall. Tempel III zeigt, was die Reisenden des 19. Jahrhunderts vorfanden: einen bewaldeten Hügel, aus dem oben Mauerwerk ragt. Wer verstehen will, warum Tikal jahrhundertelang unbeachtet blieb, obwohl es nie wirklich verschwunden war, sollte hier einen Moment stehen bleiben.
Für den Besuch
Bestiegen werden darf Tempel III nicht. Vom Weg aus sieht man den Dachkamm über den Bäumen und, ein Stück weiter, die Vorderseite mit den Resten der Treppe. Am Fuß stehen Stelen und Altäre, dazu die Reste eines Palastbaus.
Von Tempel IV aus ist er gut zu erkennen: Der Dachkamm von Tempel III ist einer der Punkte, die im berühmten Blick über das Blätterdach herausstehen - zusammen mit denen von Tempel I, II und V.

Zuletzt überarbeitet am 22.08.2026.
Quellen
- Simon Martin, Nikolai Grube: Chronicle of the Maya Kings and Queens, Thames & Hudson.
- Christopher Jones, Linton Satterthwaite: The Monuments and Inscriptions of Tikal: The Carved Monuments, University Museum, Philadelphia.
