Die Dammwege
Kurz gesagt
- Vier breite, aufgeschüttete Straßen verbinden die Baugruppen Tikals.
- Sie heißen Calzada Maler, Maudslay, Méndez und Tozzer - nach Forschern, nicht nach Maya-Namen.
- Über den Karstboden aufgeschüttet und mit Kalkstuck versiegelt.
- Sie waren zugleich Verkehrsweg, Damm und Wasserleitsystem.
Tikal ist keine kompakte Stadt, sondern eine Ansammlung von Baugruppen auf Anhöhen, dazwischen Senken, die in der Regenzeit vernässen. Was diese Gruppen verbindet, sind vier Dammwege.
Was ein Dammweg ist
Ein Dammweg, spanisch calzada, ist keine Straße im heutigen Sinn, sondern eine Aufschüttung: Der Weg liegt über dem Gelände, nicht darin. Er wurde aus Schutt und Kalkstein aufgebaut, verdichtet und oben mit Stuck versiegelt. Die Breite geht bis in den zweistelligen Meterbereich.
Dieser Aufwand ergibt nur Sinn, wenn der Weg mehr leisten soll als Fortbewegung. Er hält die Verbindung auch in der Regenzeit trocken, wenn die Senken dazwischen unpassierbar werden. Und er wirkt als Damm: Er staut und lenkt Wasser, das sonst im Karst versickern würde, in Richtung der Reservoirs.
Dass die Maya kein Rad im praktischen Gebrauch und keine Zugtiere hatten, macht die Sache nicht kleiner, sondern erklärt die Bauweise: Gebaut wurde für Menschen zu Fuß, in großer Zahl und mit Lasten.
Die vier Wege
- Calzada Maudslay verbindet das Zentrum mit Tempel IV und der Gruppe H im Nordwesten - der längste der vier.
- Calzada Maler führt vom Zentrum nach Norden zur Gruppe H.
- Calzada Méndez läuft nach Südosten zur Gruppe G und zum Inschriftentempel, dem am weitesten außen gelegenen großen Bau.
- Calzada Tozzer verbindet den Großen Platz mit Tempel IV.
Die Namen stammen sämtlich von Forschern des 19. und 20. Jahrhunderts: Teoberto Maler, Alfred Maudslay, Modesto Méndez, Alfred Tozzer. Wie die Wege bei den Maya hießen, ist nicht überliefert.
Was Lidar gezeigt hat
Seit 2018 ist das Waldgebiet großflächig mit Lidar vermessen worden - einem Laserscanverfahren aus der Luft, das die Vegetation rechnerisch entfernt und den nackten Boden abbildet. Die Ergebnisse haben das Bild der Region verändert: Zwischen den bekannten Zentren liegen weit mehr Siedlungsreste, Terrassen und Wege, als angenommen.
Für den Besucher heißt das vor allem eines: Was heute als Park abgegrenzt ist, war einmal keine Insel im Wald, sondern der dichteste Punkt einer besiedelten Landschaft.

Zuletzt überarbeitet am 22.08.2026.
Quellen
- Marcello A. Canuto u. a.: Ancient lowland Maya complexity as revealed by airborne laser scanning of northern Guatemala, Science 2018.
