Tukane und Vögel
Kurz gesagt
- Für den Park sind über 300 Vogelarten belegt, im gesamten Petén noch mehr.
- Der Fischertukan ist das Wappentier, sitzt aber meist hoch und still.
- Das Pfauentruthuhn läuft am Eingang und auf den Plätzen frei herum.
- Die erste Stunde nach Sonnenaufgang bringt mehr als der ganze restliche Tag.
Tikal ist bei Vogelbeobachtern eine feste Größe, und zwar aus einem einfachen Grund: Der Park bietet Waldarten auf engem Raum, dazu mit den Tempelplattformen eine Handvoll Punkte über dem Blätterdach. Von unten sieht man in einen Regenwald hinein, von Tempel IV schaut man auf ihn herunter. Das ist eine seltene Kombination.
Der Fischertukan
Der Fischertukan mit seinem bunt gebänderten Schnabel ist das Bild, das man von Tikal erwartet. In Wirklichkeit ist er schwerer zu finden, als das Plakat verspricht: Er sitzt gern hoch, ruhig und im Gegenlicht.
Zu hören ist er trotzdem regelmäßig - ein trockenes, quakendes Rufen, das man eher einem Frosch zutrauen würde als einem Vogel mit diesem Schnabel. Häufiger als der Tukan selbst ist im Park der kleinere Halsband-Arassari, ein naher Verwandter, der in kleinen Gruppen unterwegs ist und deutlich lebhafter wirkt.
Der Schnabel ist übrigens leichter, als er aussieht: eine Hornschale über einem Gerüst aus dünnen Knochenstreben, weitgehend hohl. Er dient zum Erreichen von Früchten an dünnen Zweigen und als Wärmetauscher.
Das Pfauentruthuhn
Der Vogel, den man in Tikal garantiert sieht, ist ein anderer: das Pfauentruthuhn. Es kommt nur auf der Halbinsel Yucatán und im angrenzenden Petén vor, ist also eine echte Regionalart - und im Park läuft es zu Fuß über die Wiesen am Eingang und über den Großen Platz.
Das Gefieder ist metallisch blaugrün und bronzefarben, der Kopf blau mit orangen Warzen, der Schwanz mit augenförmigen Flecken gezeichnet, die dem Vogel seinen Namen geben. Außerhalb geschützter Gebiete ist die Art selten, weil sie bejagt wird. In Tikal sind die Tiere an Menschen gewöhnt und lassen sich auf wenige Meter beobachten.
Was man sonst regelmäßig sieht und hört
- Montezumastirnvogel. Seine gewebten Beutelnester hängen zu Dutzenden in einzelnen Bäumen. Der Gesang ist unverwechselbar: ein gluckerndes, aufsteigendes Gurgeln, zu dem sich das Männchen kopfüber nach vorn wirft.
- Papageien und Sittiche. Meist paarweise, immer laut, meistens im Vorbeiflug über dem Blätterdach - morgens und in der Abenddämmerung am auffälligsten.
- Trogone. Nah verwandt mit dem Quetzal, der hier im Tiefland allerdings nicht vorkommt. Sie sitzen lange bewegungslos und werden deshalb oft übersehen.
- Greifvögel. Über den Lichtungen kreisen Bussarde und Geier, mit etwas Glück ist ein Falke oder ein Habicht zu sehen. Die großen Waldadler der Region sind auch hier eine Seltenheit.
- Hokkohühner und Guane. Große, dunkle Bodenvögel im Unterholz, die man gewöhnlich zuerst rascheln hört.
Wo und wann man schaut
Die Zeit ist wichtiger als der Ort. In der ersten Stunde nach Sonnenaufgang ist der Wald aktiv, danach nimmt es rasch ab, und über die heißen Mittagsstunden passiert fast nichts. Wer nur einen Tagesausflug macht und gegen neun eintrifft, hat das Beste schon verpasst - ein Argument fürs Übernachten am Park.
Drei Orte lohnen besonders:
- Die Plattform von Tempel IV. Der einzige Platz, von dem aus man auf die Kronen schaut statt hinein. Auch das Ziel der Sonnenaufgangstour.
- Die Ränder von Mundo Perdido, wo Lichtung und geschlossener Wald aneinanderstoßen. Solche Kanten sind immer artenreicher als der Bestand selbst.
- Die alten Wasserreservoirs. Wo in der Trockenzeit noch Wasser steht, kommen die Tiere hin. Das gilt für Vögel wie für alles andere.
Ein Fernglas ist hier sinnvoller als ein Teleobjektiv. Im geschlossenen Wald ist es dunkel, die Vögel sitzen hoch, und die meisten Aufnahmen werden nichts - ansehen kann man sie trotzdem gut.
Nicht anlocken und nicht füttern. Klangattrappen aus dem Handy sind in vielen Schutzgebieten unerwünscht, weil sie brütende Vögel unter Stress setzen. Und was für Nasenbären und Affen gilt, gilt hier genauso: Gefütterte Tiere verlieren die Scheu, und das endet für sie schlechter als für uns.
Der Rahmen für all das ist der Wald selbst, dessen Aufbau unter Die Ceiba und der Regenwald beschrieben ist. Und der Ton, der morgens alles andere übertönt, kommt nicht von einem Vogel, sondern von den Brüllaffen.