Die Ceiba und der Regenwald
Kurz gesagt
- Die Ceiba ist Nationalbaum Guatemalas und war für die Maya die Weltachse.
- Sie überragt das Blätterdach und trägt meterhohe Brettwurzeln.
- Der Wald des Petén ist saisonaler Tieflandregenwald, kein immerfeuchter Urwald.
- Der Ramón-Baum um die Ruinen ist womöglich ein Erbe der Maya-Landwirtschaft.
Der Nationalpark Tikal ist zu weit größeren Teilen Wald als Ruine. Wer nur die Tempel ansteuert, läuft an dem vorbei, was die Stätte von anderen unterscheidet.
Die Ceiba
Die Ceiba (Ceiba pentandra, auch Kapokbaum) ist der auffälligste Baum des Parks. Sie wächst über das übrige Blätterdach hinaus, hat einen geraden grauen Stamm und trägt die Krone erst weit oben, schirmförmig ausgebreitet. Am Fuß stehen Brettwurzeln, die höher sein können als ein Mensch.
Diese Wurzeln sind eine Antwort auf den Boden. Über dem Kalkstein liegt nur eine dünne Erdschicht, tief wurzeln geht nicht. Statt in die Tiefe stabilisiert sich der Baum in die Breite, mit flachen, senkrecht aufgestellten Stützen.
Für die Maya war die Ceiba der Weltenbaum: Ihre Wurzeln reichen in die Unterwelt, der Stamm steht in der Welt der Menschen, die Krone trägt den Himmel. Sie ist bis heute Nationalbaum Guatemalas.
Wie der Wald aufgebaut ist
Der Petén trägt saisonalen Tieflandregenwald. Der Unterschied zum immerfeuchten Regenwald des Amazonas ist wichtig: Hier gibt es eine ausgeprägte Trockenzeit, in der ein Teil der Bäume Laub abwirft. Der Wald ist niedriger, lichter und weniger artenreich als am Äquator.
Er gliedert sich in Stockwerke: einzelne Überständer wie die Ceiba, darunter das geschlossene Kronendach, dann eine Schicht kleinerer Bäume, unten Sträucher und Palmen. Am Boden ist es dunkel und überraschend frei – das dichte Grün, das man sich vorstellt, wächst dort, wo Licht hinkommt: an Wegen, Lichtungen und Waldrändern.
Der Wald als Erbe der Stadt
Um die Ruinen steht auffällig viel Ramón oder Brotnussbaum (Brosimum alicastrum). Seine Samen sind essbar, lagerfähig und nahrhaft.
Ob diese Häufung ein Rest der Maya-Landwirtschaft ist, wird seit Langem diskutiert. Möglich ist auch, dass der Baum die Bedingungen auf altem Siedlungsschutt einfach besonders gut verträgt. Beides schließt sich nicht aus. Sicher ist: Was hier wächst, ist kein unberührter Urwald, sondern eine Landschaft, die einmal dicht besiedelt war und sich seither zurückgeholt hat.
Wie dicht, hat erst die Lidar-Vermessung gezeigt – siehe Die Dammwege.