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Tikal tikalpark.de

Tikal · Schrift und Kalender

Die Maya-Hieroglyphen

Kurz gesagt

  • Keine Bilderschrift, sondern eine vollwertige Schrift aus Wort- und Silbenzeichen.
  • Gelesen wird in Doppelspalten: links, rechts, eine Zeile tiefer, wieder links.
  • Ein Block ist eine Einheit aus einem Haupt- und mehreren Nebenzeichen.
  • Die Entzifferung gelang erst ab den 1950er Jahren – und ist bis heute nicht abgeschlossen.

Die Maya-Schrift wirkt auf den ersten Blick wie eine Folge kleiner Gesichter und Tiere. Das täuscht: Sie ist eine vollwertige Schrift, mit der sich jede gesprochene Äußerung festhalten ließ – nicht anders als mit unserem Alphabet.

Zwei Arten von Zeichen

Das System kombiniert zwei Zeichentypen:

  • Logogramme stehen für ein ganzes Wort, etwa für „Berg“ oder „Jaguar“.
  • Silbenzeichen stehen für eine Silbe aus Konsonant und Vokal, also ba, ka, tu.

Beides ließ sich mischen. Ein Wort konnte als Logogramm geschrieben werden, oder silbisch ausbuchstabiert, oder als Logogramm mit einem angehängten Silbenzeichen, das die Lesung absichert. Für dieselbe Aussage gab es deshalb oft mehrere gültige Schreibungen – ein Grund, warum die Entzifferung so schwer war.

Der Block

Geschrieben wird nicht in einer Zeichenkette, sondern in Blöcken. Ein Block ist ein gerundetes Quadrat, in dem ein größeres Hauptzeichen von kleineren Nebenzeichen an Rändern und Ecken umgeben wird. Ein Block entspricht meist einem Wort oder einer engen Wortgruppe.

Innerhalb des Blocks wird von links nach rechts und von oben nach unten gelesen. Die Anordnung ist dabei elastisch: Dasselbe Zeichen kann je nach Platz breit oder schmal gezogen, an den Rand gerückt oder ins Hauptzeichen eingeschrieben werden.

Die Leserichtung

Die Blöcke stehen fast immer in Doppelspalten. Gelesen wird der linke Block, dann der rechte daneben, dann eine Zeile tiefer wieder links, dann rechts – im Zickzack nach unten. Erst wenn die Doppelspalte zu Ende ist, geht es mit der nächsten weiter.

Wer eine Inschrift wie eine Zeile liest, liest sie falsch. Ein durchgehender Blick nach rechts ergibt Unsinn.

Warum die Entzifferung so lange dauerte

Bis weit ins 20. Jahrhundert galt die Schrift als reine Bilder- und Kalenderschrift. Kalenderangaben und Zahlen waren früh gelesen, der Rest galt als undurchdringlich.

Der Durchbruch kam in mehreren Schritten. Juri Knorosow erkannte in den 1950er Jahren, dass ein Teil der Zeichen Silben wiedergibt. Tatiana Proskouriakoff zeigte kurz darauf, dass die Inschriften keine Götterkalender enthalten, sondern Geschichte: Geburtsdaten, Thronbesteigungen, Kriege, Todesdaten wirklicher Personen. Damit wurden aus Ornamenten Quellen.

Erst diese Einsicht macht Seiten wie Die Herrscher Tikals überhaupt möglich. Abgeschlossen ist die Arbeit nicht: Ein Teil der Zeichen ist weiterhin nicht sicher gelesen.

Quellen

  • Michael D. Coe: Breaking the Maya Code, Thames & Hudson.
  • Nikolai Grube (Hrsg.): Maya. Gottkönige im Regenwald.