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Tikal · Geschichte

Jasaw Chan K’awiil I.

Kurz gesagt

  • Regierte von 682 bis etwa 734 und beendete Tikals lange Schwächephase.
  • Besiegte 695 Calakmul und dessen Herrscher Yuknoom Yich’aak K’ahk’.
  • Ließ den Großen Platz in der Form anlegen, die man heute sieht.
  • Sein Grab liegt unter Tempel I.

Wenn eine Person die Gestalt Tikals bestimmt, dann er. Fast alles, was Besucher heute für „typisch Tikal“ halten, geht auf seine Regierungszeit oder die seines Sohnes zurück.

Die Ausgangslage

Als Jasaw Chan K’awiil I. im Jahr 682 den Thron bestieg, lag hinter Tikal die Niederlage von 562 und ein rund 130 Jahre langer Zeitraum, in dem keine Stelen mehr aufgestellt wurden. Die Stadt existierte, aber sie trat nicht mehr auf.

Er nahm den Faden dort wieder auf, wo er abgerissen war: Er stellte Monumente auf, ließ sich in die Reihe der alten Herrscher schreiben und griff dabei bewusst auf Formen der Zeit vor dem Bruch zurück. Das ist Politik mit historischen Mitteln – der Bruch sollte nicht stattgefunden haben.

695

Am 5. August 695 – die Inschriften geben das Datum genau an – besiegte er Calakmul unter Yuknoom Yich’aak K’ahk’. Damit endete die Vorherrschaft der Schlangenkönige über das zentrale Tiefland.

Der Sieg wurde ausgiebig inszeniert. Ein geschnitzter Türsturz aus Tempel I zeigt den Herrscher unter einem Schutzgeist, und in der Darstellung tauchen Elemente auf, die auf Teotihuacán verweisen – also auf jene weit zurückliegende Ankunft von 378, die Tikals Dynastie einst neu begründet hatte. Auch das ist ein Argument: Wir stehen in einer alten, legitimen Linie.

Das Bauprogramm

Nach 695 wird gebaut. Der Große Platz bekommt seine heutige Fassung, Tempel I und Tempel II entstehen als Paar, das den Platz fasst. Sein Sohn Yik’in Chan K’awiil setzt das mit Tempel IV fort, dem höchsten Bauwerk der Stadt.

Innerhalb weniger Jahrzehnte entsteht damit die Silhouette, wegen der Tikal heute bekannt ist.

Das Grab

Jasaw Chan K’awiil I. starb um 734. Er liegt in Grab 116 unter Tempel I, in einer der reichsten Bestattungen des Maya-Tieflands: Jadeschmuck, bemalte Keramik, Muscheln, dazu eine Sammlung fein geschnitzter Knochen mit Ritzzeichnungen.

Anders als seine Vorgänger, die in der Nordakropolis beigesetzt wurden, bekam er einen eigenen, weithin sichtbaren Grabbau am Rand des Platzes. Er stellte sich damit neben die Ahnen statt unter sie.

Quellen

  • Simon Martin, Nikolai Grube: Chronicle of the Maya Kings and Queens, Thames & Hudson.