Die Wiederentdeckung 1848
Kurz gesagt
- 1848 erreicht eine Expedition unter Modesto Méndez und Ambrosio Tut die Ruinen.
- Vergessen war Tikal nie – die Bevölkerung der Region kannte den Ort.
- Der Name „Tikal“ ist neuzeitlich, die Maya nannten die Stadt anders.
- Erst Fotografien und Zeichnungen ab den 1880er Jahren machten sie international bekannt.
Die Erzählung vom Entdecker, der im Dschungel auf eine unbekannte Stadt stößt, ist hübsch und ungenau. Sie beschreibt eher, wann Europa von Tikal erfuhr, als wann jemand es fand.
1848
Als offizielle Wiederentdeckung gilt die Expedition von Modesto Méndez, damals Gouverneur des Petén, und Ambrosio Tut im Jahr 1848. Die guatemaltekische Regierung hatte den Auftrag erteilt, den Berichten über Ruinen im Wald nachzugehen. Mit dabei war ein Zeichner, dessen Ansichten die erste bildliche Überlieferung darstellen.
Entscheidend ist der Auftrag: Man ging Berichten nach. Die Menschen in der Region wussten, dass dort etwas stand. Was 1848 geschah, war die Aufnahme in den amtlichen und wissenschaftlichen Bestand, nicht das erste Betreten.
Der Name
„Tikal“ ist keine antike Bezeichnung. Der Name wird meist mit Yucatekisch-Maya erklärt, etwa im Sinne von „am Wasserloch“ – passend zu den Reservoirs, die auch nach dem Ende der Stadt noch Wasser hielten und den Ort für Jäger und Chicleros brauchbar machten.
Wie die Stadt zu ihrer Zeit hieß, steht in den Inschriften: Ihre Emblemglyphe nennt sie Mutal beziehungsweise Yax Mutal. Siehe Mutal: der Name der Stadt.
Die Bekanntmachung
Weltweit bekannt wurde Tikal erst durch die Reisenden der folgenden Jahrzehnte. Der Schweizer Gustav Bernoulli ließ 1877 geschnitzte Türstürze aus den Tempeln ausbauen und nach Basel bringen, wo sie bis heute liegen. Der Brite Alfred Maudslay fotografierte die Anlage in den 1880er Jahren mit Glasplatten und veröffentlichte großformatige Tafeln. Teoberto Maler arbeitete um die Jahrhundertwende ausgiebig vor Ort.
Diese drei Namen begegnen einem im Park wieder: Drei der vier Dammwege heißen nach Maudslay, Maler und Méndez.
Was daraus wurde
Die Herausnahme der Türstürze wäre heute undenkbar und ist ein Beispiel für den Umgang des 19. Jahrhunderts mit archäologischem Erbe. Ohne sie wären die Hölzer allerdings vermutlich vergangen – ein unbequemer Befund, der die Sache nicht rechtfertigt, aber erklärt, warum die Diskussion um Rückgaben nicht einfach ist.
Die systematische Erforschung begann erst gut hundert Jahre nach Méndez, siehe Die Ausgrabungen.