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Tikal tikalpark.de

Tikal · Bauwerke

Die Wasserreservoirs

Kurz gesagt

  • Tikal hat weder Fluss noch Quelle noch See in erreichbarer Nähe.
  • Die Stadt sammelte Regenwasser in rund zehn großen Becken.
  • Die gepflasterten Plätze waren nicht nur Repräsentation, sondern Auffangfläche.
  • Die Trockenzeit dauert Monate. Das Wasser musste sie überbrücken.

Wer vor Tikal steht, denkt an Tempel. Die eigentliche Leistung der Stadt liegt aber unter dem Boden: Tikal lag ohne Fluss, ohne Quelle und ohne See in erreichbarer Nähe, und trotzdem lebten hier über Jahrhunderte Zehntausende Menschen.

Warum es kein Oberflächenwasser gibt

Der Untergrund des Petén besteht aus Kalkstein. Kalkstein ist wasserlöslich: Regen sickert ein, löst das Gestein und schafft Höhlen, Dolinen und unterirdische Abflüsse. Was oben fällt, ist unten schnell wieder verschwunden. Diese Karstlandschaft ist der Grund, warum das Maya-Tiefland trotz reichlicher Niederschläge chronisch wasserarm ist.

Dazu kommt die scharfe Trennung der Jahreszeiten. Von etwa Juni bis Dezember fällt viel Regen, danach folgen Monate, in denen kaum etwas kommt. Eine Stadt musste also nicht nur Wasser finden, sondern es über eine lange Trockenzeit halten.

Die Lösung: die Stadt als Auffangfläche

Tikal legte rund zehn große Becken an, teils in ausgehobenen Senken, teils in aufgelassenen Steinbrüchen, aus denen zuvor das Baumaterial gekommen war. Der Boden dieser Reservoirs wurde abgedichtet, die Böschungen befestigt.

Entscheidend ist, was darüber liegt. Die weiten Plätze und Höfe Tikals waren mit Kalkstuck versiegelt und leicht geneigt. Sie sahen nicht nur repräsentativ aus, sie waren eine riesige Sammelfläche: Was auf Plätze, Höfe und Terrassen fiel, lief über Rinnen und Gefälle in die Becken statt im Karst zu versickern.

Diese Verbindung von Repräsentation und Versorgung ist typisch für Tikal. Die Plätze sind gleichzeitig Bühne und Dach.

Wo die Becken liegen

Die Reservoirs tragen heute Namen nach ihrer Lage: das Tempel-Reservoir und das Palast-Reservoir liegen unmittelbar am Zentrum, weitere am Rand der Baugruppen. Die zentral gelegenen dürften der Oberschicht vorbehalten gewesen sein, die äußeren der übrigen Bevölkerung.

Wer heute durch den Park geht, läuft an mehreren dieser Senken vorbei, ohne sie unbedingt als Bauwerke wahrzunehmen. In der Regenzeit stehen sie voll, in der Trockenzeit sind manche von ihnen fast leer.

Was das über das Ende der Stadt sagt

Weil das System vollständig vom Regen abhing, war Tikal empfindlich gegen längere Dürren. Klimadaten aus Seesedimenten und Tropfsteinen zeigen für das 9. Jahrhundert mehrere ausgeprägte Trockenphasen – also genau für den Zeitraum, in dem die Inschriften abbrechen und die Bautätigkeit endet.

Daraus folgt kein einfacher Zusammenhang. Dürre allein erklärt den Zusammenbruch nicht, und andere Städte überstanden dieselben Jahre. Aber eine Stadt, deren Versorgung an einer einzigen Variablen hängt, hat wenig Spielraum, wenn diese Variable ausfällt. Mehr dazu steht unter Das Ende Tikals.

Quellen

  • Vernon L. Scarborough u. a.: Water and sustainable land use at the ancient tropical city of Tikal, PNAS 2012.
  • Berichte des Tikal Project, University of Pennsylvania Museum.