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Tikal · Bauwerke

Die Zentrale Akropolis

Kurz gesagt

  • Kein Tempel, sondern der Palastbereich am Südrand des Großen Platzes.
  • Niedrige, langgestreckte Bauten um sechs Innenhöfe auf verschiedenen Ebenen.
  • Hier wurde gewohnt, verwaltet und empfangen – der Alltag der Oberschicht.
  • Die Räume sind eng und dunkel, weil das Kraggewölbe keine Weite zulässt.

Südlich des Großen Platzes liegt ein Gewirr niedriger Bauten auf mehreren Terrassenebenen, verbunden durch schmale Treppen und Durchgänge. Wer von den Tempeln kommt, hält das leicht für Nebengebäude. Es ist der Regierungssitz.

Palast statt Tempel

Die Bauten der Zentralen Akropolis sind flach, langgestreckt und haben viele Eingänge nebeneinander. Keine Pyramide, kein Dachkamm, keine steile Treppe – die ganze Formensprache der Tempel fehlt.

Das ist kein Rangunterschied, sondern ein Funktionsunterschied. Ein Tempel ist ein Denkmal, das von weitem wirken soll. Ein Palast ist ein Ort, an dem sich Menschen aufhalten. Die Anlage gruppiert sich um sechs Innenhöfe, was Schatten, Durchzug und abgestufte Zugänglichkeit ergibt: Wer weiter innen empfangen wurde, stand höher.

Warum die Räume so eng sind

Wer in einen der Räume tritt, wundert sich: Sie sind schmal, hoch und dunkel, oft kaum mehr als ein Korridor. Der Grund ist bautechnisch.

Die Maya kannten den echten Bogen nicht. Überdeckt wurde mit dem Kraggewölbe: Von beiden Seiten werden Steinlagen schrittweise vorgekragt, bis sich die Reihen oben fast berühren und eine Deckplatte den Rest schließt. Das ergibt im Querschnitt ein hohes, spitzes Dreieck.

Ein Kraggewölbe trägt sich nur bei geringer Spannweite und braucht sehr dicke Mauern. Deshalb sind Maya-Innenräume klein und die Wände massiv – bei manchen Bauten ist mehr als die Hälfte des Grundrisses Mauerwerk. Die Weite fand nicht drinnen statt, sondern auf den Plätzen.

Wie es eingerichtet war

Was fehlt, ist Mobiliar in unserem Sinn. Es gibt gemauerte Bänke, die als Sitz- und Liegeflächen dienten, Wandnischen und Zapfenlöcher für Vorhänge oder Matten in den Türöffnungen. Textilien, Matten und Kissen sind vergangen; man muss sie sich dazudenken.

Auf bemalter Keramik sind solche Szenen dargestellt: der Herrscher auf einer Bank sitzend, davor Besucher, Schreiber, Tribute. Diese Bilder sind unsere beste Quelle dafür, wie es in diesen Räumen zuging.

Für den Besuch

Die Akropolis lohnt einen Umweg, weil sie das einzige Ensemble in Tikal ist, in dem man sich innen bewegt. Wer nur über die Plätze läuft, sieht die Stadt von außen. Hier läuft man durch sie hindurch.