Brüllaffen
Kurz gesagt
- Der Ruf ist über mehrere Kilometer zu hören und klingt nach einem Raubtier.
- In Tikal lebt der Guatemala-Brüllaffe, eine der größten Affenarten Amerikas.
- Ein vergrößerter Kehlkopf wirkt als Resonanzkörper.
- Man hört sie fast immer, sieht sie deutlich seltener als Klammeraffen.
Die erste Begegnung mit Tikal ist für viele Besucher akustisch. Noch auf dem Waldweg vom Eingang her setzt aus dem Blätterdach ein tiefes, rollendes Brüllen ein, das aus mehreren Richtungen gleichzeitig kommt und anschwillt. Wer nicht weiß, was es ist, denkt an ein großes Raubtier.
Was da ruft
Es sind Affen, und zwar der Guatemala-Brüllaffe (Alouatta pigra), eine der größten Affenarten des amerikanischen Kontinents. Ausgewachsene Männchen sind schwarz, gedrungen gebaut und wiegen bis über zehn Kilogramm.
Sie leben in kleinen Gruppen hoch im Blätterdach und bewegen sich langsam. Der lange Greifschwanz ist als fünfte Extremität nutzbar und trägt das ganze Tier.
Warum es so laut ist
Brüllaffen haben einen stark vergrößerten Kehlkopf mit einem verknöcherten Zungenbein, das einen Resonanzraum bildet. Der Ruf wird darin verstärkt, ähnlich dem Korpus eines Instruments. Deshalb sind die Tiere über mehrere Kilometer zu hören – gemessen an ihrer Größe erzeugen sie einen der lautesten Rufe der Landtierwelt.
Der Zweck ist Ökonomie. Statt Reviergrenzen ablaufen und verteidigen zu müssen, teilen benachbarte Gruppen einander akustisch mit, wo sie sind. Ein Ruf löst den nächsten aus, und in wenigen Minuten hat sich die Lage über ein großes Gebiet geklärt, ohne dass ein Tier sich bewegt hat.
Wann man sie hört
Am verlässlichsten in der Dämmerung, morgens vor Hellwerden und abends. Genau deshalb ist die Sonnenaufgangstour auch bei Nebel lohnend: Der Ton kommt zuverlässiger als das Licht.
Tagsüber rufen sie unregelmäßig, oft ausgelöst durch Regen, vorbeiziehende Flugzeuge oder auch durch Lärm einer Besuchergruppe.
Sehen ist schwerer als hören
Brüllaffen halten sich hoch auf und bewegen sich wenig. Wer sie sehen will, sucht nicht den Baum, aus dem es kommt, sondern schaut in die Kronen ringsum – der Schall täuscht. Deutlich häufiger bekommt man Klammeraffen zu Gesicht, die schneller, schlanker und neugieriger sind und tiefer herunterkommen.
Nicht füttern. Das gilt im Park für alle Tiere. Gefütterte Affen verlieren die Scheu, kommen an Menschen heran und werden dann zum Problem – für sich und für die Besucher. Außerdem überträgt der enge Kontakt Krankheiten in beide Richtungen.