Die Ausgrabungen
Kurz gesagt
- Das Tikal Project des Penn Museum arbeitete von 1956 bis 1970 vor Ort.
- Ab 1979 führte Guatemala die Arbeiten mit dem Proyecto Nacional Tikal fort.
- Seit 1979 ist Tikal UNESCO-Welterbe - für Kultur und Natur zugleich.
- Die Lidar-Vermessung ab 2018 hat das Bild der Region grundlegend verändert.
Zwischen der Expedition von 1848 und einer systematischen Erforschung liegt mehr als ein Jahrhundert. Die Reisenden des 19. Jahrhunderts zeichneten, fotografierten und nahmen mit; gegraben wurde kaum.
Das Tikal Project, 1956 bis 1970
Die eigentliche Erschließung begann mit dem Tikal Project des University of Pennsylvania Museum, das vierzehn Jahre lang vor Ort arbeitete. Der Umfang war für die Maya-Archäologie beispiellos: Vermessung der gesamten Anlage, Grabungen am Großen Platz, Tunnel in die Nordakropolis, Freilegung von Gräbern, Restaurierung der großen Tempel.
Aus dieser Zeit stammen die Grundlagen, auf denen bis heute gearbeitet wird: die Nummerierung der Bauten, die Grabnummern, die Vermessungskarte und die vielbändige Reihe der Tikal Reports. Damals wurde auch die Landepiste angelegt, die den Ort überhaupt erreichbar machte - sie ist längst stillgelegt.
Guatemala übernimmt
1979 begann der Proyecto Nacional Tikal unter guatemaltekischer Leitung. Der Schwerpunkt verschob sich von den großen Tempeln zu Bereichen wie Mundo Perdido, dessen frühe Bauphasen erst dadurch verstanden wurden.
Im selben Jahr nahm die UNESCO Tikal in die Welterbeliste auf - als einen der wenigen Orte weltweit, die zugleich als Kultur- und als Naturerbe geführt werden. Der Nationalpark ist Teil des Maya-Biosphärenreservats.
Was Lidar geändert hat
Ab 2018 wurde das Waldgebiet großflächig mit Lidar vermessen, einem Laserscanverfahren aus der Luft. Der Rechner entfernt die Vegetation aus den Daten und legt den nackten Boden frei - ohne dass ein Baum fällt oder ein Spaten angesetzt wird.
Das Ergebnis hat die Vorstellung von der Region verändert. Zwischen den bekannten Zentren liegen weit mehr Hausplattformen, Terrassen, Wege und Befestigungen als angenommen. Die Bevölkerungsschätzungen für das Tiefland sind daraufhin deutlich nach oben korrigiert worden.
Für Tikal heißt das: Der Park ist nicht der Rand der Stadt, sondern ihr dichtester Punkt. Siehe auch Die Dammwege.
Was offen ist
Der weitaus größte Teil Tikals ist nie ausgegraben worden und liegt weiter unter Erde und Wald. Das ist keine Nachlässigkeit: Eine Ausgrabung zerstört ihren Gegenstand unwiederbringlich, und was heute im Boden bleibt, kann später mit besseren Verfahren untersucht werden. Die Lidar-Ergebnisse sind das beste Argument dafür.
Zuletzt überarbeitet am 21.08.2026.
Quellen
- Marcello A. Canuto u. a.: Ancient lowland Maya complexity as revealed by airborne laser scanning of northern Guatemala, Science 2018.
- Berichte des Tikal Project, University of Pennsylvania Museum, 1956 bis 1970.